eine unfreiwilige Metamorphose

Der wolkenverhangene Himmel im Norden Siziliens zeigt sich heute von der düsteren Seite.
Obwohl die 4 Knoten ein idealer Wind für den Spinnacker wären, setzen wir vorsichtshalber nur die Genua mit den Spi-Schoten. So können wir die Genua weiter fieren (damit kommt sie einem Gennacker näher) und doch ist sie leichter handzuhaben, wenn stärkerer Wind aufkommen sollte.

Schon nach ein paar Minuten stellen wir fest, dass diese Entscheidung goldrichtig war. Der Wind frischt auf, und wir segeln Raumschot bei gut 15 Knoten Richtung Westen, Richtung Palermo!

Die Dämmerung kommt und geht rasch in die Dunkelheit der Nacht über.
Wir segeln dahin – wie schon viele Nächte davor – der Käpt´n wirft einen Blick auf den Plotter, kontrolliert den Kurs…. Und sieht etwas Seltsames:
Auf der Karte ist ein dünner Strich eingezeichnet, der sich in der Länge von 0,7 Meilen, das sind um die 1,4 Kilomter (!) im rechten Winkel vom Land in´s Meer hinauszieht. Auch beim Hineinzoomen ist nicht wirklich auszumachen, was das ist. Ganz außen ist ein Gefahrenzeichen eingezeichnet.

Hmmmmmm……
Das Ding oder auch Nicht-Ding ist ca. 1/2 Meile vor uns.
Sicherheitshalber drehen wir ab und machen uns daran, das Gefahrenzeichen meerwärts zu umfahren.
Ein paar Minuten später sehen wir: Heute ist wohl einer jener „goldrichtigen“ Tage!

Es ist tatsächlich ein ellenslanger „Steg auf Stelzen“ durch den evtl. ein Motorboot durchpasst – aber sicher nicht Vitamine mit ihrem 16-Meter-Mast!
Unbeleuchtet. Absolut unbeleuchtet! Bis auf die kleine Funzel am äußersten Ende. Unglaublich. Wenn der Käpt´n nicht zufällig einen Blick auf den Plotter geworfen hätte und ihm nicht zufällig (sofern es Zufälle gibt)) dieser dünne Strich aufgefallen wäre, hätten wir in Sekundenschnelle eine höchst unfreiwillige Metamorphose von Segelboot zu Motorboot vollzogen – wir wären entmastet worden!
Die Boating-App verrät es schließlich:
„Pipeline“ steht am äußersten Ende. Und „Terminale Esso“ Und „Caution Area“.

Aha! Haha! Eine Mafia-Raffinerie hat hier einen Steg für Mafia-Öl erbaut. Was gäbe es sonst für einen Grund, eine solche Öl-Autobahn nicht zu beleuchten?
Wenn schon große Kolosse nicht bis zum Ufer fahren können, kann man für sie ja eine Entladungs-Hilfe bauen – ist ja okay. Aber bitte: auch in der Nacht sichtbar und somit gefahrlos für ahnungslose Hobbysegler!
Also diese Italiener aber auch!

Fotooo – unbeleuchteter pipeline-steg

Wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind 3:
Das letzte Stück bis zu unserem auserkorenen Ankerplatz vor Coronia motoren wir und setzen in dem großen, steinmauergeschützten Bereich des Termini Imerese in einem ruhigen Bereich den Anker.
So haben wir jedenfalls gedacht. Es ist unruhiger als angenommen, so beschließen wir, nochmal umzuankern.

Huch! Was kommt mit der Ankerkette im Licht des Mondes und den Lichtern, die vom Terminal bis zu uns herüberscheinen, mit herauf?
Ein Netz! Ein großes Fischernetz, das sich um unsere Kette bereits hoffnungslos ein- und verdreht hat.
Oh Shit! Es ist Nacht. Kein anderes Boot weit und breit auszumachen.

Wir beschließen schweren Herzens und mit ungutem Gefühl, die Kette mittels Messer und Schere vom Netz zu befreien (Schwerarbeit!), lassen die Reste versinken und hoffen auf die morgen früh ausfahrenden Fischer, um das Dilemma zu klären.
Wir parken im ruhigeren Bereich der gleichen Bucht auf´s Neue ein.

Noch lässt sich in dieser 3. Überraschung des Tages das „Gold“ nicht finden.