Karibik / Antigua: Krimi am Riff

Und wiederum: Äktschn, Äääktschn, Äääääääääääktschn!
💥😱💥

Tatort: idyllischer Ankerplatz zwischen einem kleinen Inselchen vor uns + Riffs hinter uns.
Tatzeit und -Dauer: gestern Nacht, 2 Stunden
aufgeführt wird: Tragödie (mit happy end😎)

Wir liegen gemütlich vor Anker, mit Blick auf das Riff direkt hinter uns
(zwischen 0,2 und 1,0 Meter unter Wasser – toll zu beschnorcheln!)
Neben uns rasselt eine Ankerkette Richtung Boden.
Wieder mal Neuankömmlinge!
Ca. 15 Boote liegen aktuell auf diesem schönen Fleckchen Erde bzw. Wasser, hier vor Green Island im Osten Antiguas. Die meisten sind nur einen Tag hier – vielleicht 2 – man gibt sich sozusagen den Ankerplatz in die Seemannshand.

Die Dämmerung setzt ein – sie werden wohl den Sonnenuntergang bereits beim „Manöverschluck“ genießen können.
Die Ankerkette rasselt noch ein paar Mal hinauf und hinunter.

Die Crew (2 Personen, englische Flagge) hat wohl den perfekten Halt noch nicht gefunden.
Das ist nicht unüblich.
Auch wir müssen hin und wieder dieses Anker-Spiel spielen.

Es ist bereits Nacht.
Dank Fast-Vollmond NICHT pechschwarz.
Die Ankerkette ist nicht mehr zu hören.

Aber ….. Hm……
dieses Boot steht „quer“…..
so oft wir auch hinschauen und uns die Augen reiben: es steht QUER!
War kein Längsparkplatz mehr frei?😜
Es steht 90 Grad zu allen anderen ankernden Booten. Und es scheint nicht zu schwojen. (Schwojen = das Hin- und Herdrehen eines Schiffes in Wind und Oberflächenströmung vor Anker)

Alarm! 🚨
Vielleicht brauchen sie Hilfe?
Dinghy zu Wasser, Taschenlampen eingepackt –> nichts wie hin.

Der Lokalaugenschein ergibt:
Dieses Boot sitzt tatsächlich auf dem Riff auf!
Kein elegantes Tänzeln im Wasser sondern stocksteif!
Ein Alptraum von jedem Seemann!

Der Versuch, es mit unseren 15 Dinghy-Pferdestärken herunterzuziehen, scheitert.
(Tja – wer NICHT probiert, HAT schon verloren 🤷‍♀️)
–> Hilfe vom nebenan ankernden Kat holen (großes Boot, großes Dinghy, starker Motor)
–> dessen 20 Dinghy-Pferdestärken werden ebenfalls „eingespannt“
–> die Profi-Skipperin von deren Crew geht zur Unterstützung an Bord des gestrandetes Bootes
–> ZUUUUUUUUGLEICH …… ZUUUUUUUUUUUGLEICH ……
–> Keine Chance.
Quintessenz:
Auch wenn 2 „David´s“ an „Goliath“ ziehen – wirklich beeindrucken tut dies „Goliath“ nicht.

Beratung:
Anderer Zugwinkel? Nochmal Verstärkung holen? Sonstige Ideen?

Idee💡: Dies ist doch ein gechartertes Boot?
–> Charterfirma anrufen ☎️….

–> sie kommen am nächsten Tag in der Früh ….

Dies bedeutet:
eine ganze lange Nacht reibt + schlägt der Kiel am Riff.
Wir bewundern den Gleichmut der 2 gestrandeten englischen Senioren und den Gleichmut der Charterfirma.
(ganz nach dem Motto: „Don´t worry, be happy ….“ )

Die Nacht verläuft ruhig.
Am nächsten Tag tuckern 2 kleine, gut motorisierte Boote heran, beraten kurz, Leine wird befestigt, der Schaltknüppel wird nach vorne gelegt – und sie schwimmt wieder!
So einfach kann´s gehen …… mit 150 Pferdestärken! 🐎💪🐎

🥳 Happyend 🥳



Nachtrag:
Ein Teil der Boys der Charterfirma bringen das Boot ein paar Meter weiter und ankern.
Ich rufe den in meiner Nähe bleibenden Boys zu: „Gut gemacht!“ „Daumen hooooch!“
Sie schauen erstaunt + lächeln … und meinen: „Wir sind immer (wieder mal) hier …. „
So nach dem Motto: „Das ist unser tägliches Geschäft …. „
Und sie verlassen den Tatort wieder mit ihren schnittigen Boden. Der Arbeitstag hat schließlich gerade erst begonnen *smile*

Wir fahren später noch einmal hinüber zu den 2 englischen Senioren, dessen Boot heute Nacht sehr hart gelegen ist, sehen die 2 gut ausgeruhten Matrosen und erfahren, dass die 2 englischen Senioren sich morgen frohgemut auf den Weg machen nach Barbuda (der Nachbarinsel).
Gute Fahrt! Handbreit!

Der absolut sinnvolle und gut gemeinte Segler-Glückwunsch
„Immer eine Handbreit Wasser unter´m Kiel“
Always a hand’s breadth of water under the keel
hat bei dieser Vorgeschichte sein ganz besondere Bewandtnis!