
Bye bye Antigua ❣️
Wir verlassen – diesmal tatsächlich, so zumindest der Plan 😉 – dieses schöne Fleckchen Erde und seinen laut wiehernden Amts-Schimmel … oder Amts-Walroß … oder so … !
Die Sache mit den Behörden ist – wie schon öfters erwähnt – IMMER, und zwar ausnahmslos und in jedem Land, so eine Sache.
Ganz eigen. Ganz speziell.
In seinen Feinheiten undurchsichtig. In seinen Tiefen undurchschaubar.
Das Einklarieren in Jolly Harbour auf der West-Seite der Insel bei unserer Ankunft war „ohne besondere Vorkommnisse“.
(siehe ??? )
Unser damit verbundene erste Eindruck der Antiguaner:
nicht besonders freundlich, aber auch nicht besonders unfreundlich – es fehlt nur der grundsätzliche Touch von „Willkommen“, den wir in anderen Ländern kennen- und schätzen gelernt haben. Wir sind halt bereits verwöhnt ,-)
Das heutige Ausklarieren verläuft ebenfalls „ohne besondere Vorkommnisse“,
oder …. naja ….. doch ….. es fiel unter „besonders lustig + entspannt“!
Und das ist auf den spannenden (und absolut unüblichen) Behördenwege-Mittelteil zurückzuführen:
!!! Der wiehernde Mittelteil – Vorhang auf !!!
Wir hatten schon vor 2 Wochen beschlossen, auszuklarieren, um nach St. Maarten zu segeln. Da wir uns an der Ost-Küste aufhielten, haben wir die Möglichkeit genutzt, auf der Halbinsel Crabbs auszuklarieren.
Kein Problem. Wie auch in Jolly Harbour befinden sich Customs + Immigration im gleichen Gebäude und wird elektronisch unterstützt.
Wie praktisch!


Die sowohl bezüglich Arbeitskleidung als auch Frisur sehr adrette Dame beim Zoll hat sofort freundlich gelächelt, nachdem sie auf Zuruf ihres gut gelaunten Chefs, der locker als Sunnyboy auf der Playgirl-Titelseite durchgegangen wäre, ihren Kopf von der Tastatur erhoben hat, den sie dort (auf ihren Händen weich gebettet), abgelegt hatte.
Und sie macht sich sofort tatkräftig an´s Werk und an unsere Papiere.
Den Sunnyboy traf ich übrigens vor dem Gebäude in der Sonne sitzend an.
Mit Handy in der Hand, in das er förmlich hineinstrahlte.
Es geht doch nichts über ein gutes Arbeitsklima. Oder so.
–> Kurze Zeit später: Wir sind glücklich ausklariert!
Auch der wohl von der Weihnachtszeit übriggebliebene Schneemann (Ja! Tatsächlich! Im Land des ewigen Sommers!) lächelt uns die ganze Zeit pausbäckig an.
Der Verdacht drängt sich auf, dass er hier das ganze Jahr über die Stellung hält!

Danach verbringen wir noch ein paar Tage auf Barbuda, der 2. Hauptinsel von „Antigua + Barbuda“.
Am letzten Abend auf Barbuda kommt spätnächtens eine Sprachnachricht unserer lieben Noah:
„St. Maarten ist furchtbar! Schwellig, dreckig, laut …… wenn Ihr es noch irgendwie anders einteilen könnt: Bleibt weg! Wir treffen uns sicher noch …. irgendwann irgendwo!“
Okay ……. diese intensive Warnung landete auf äußerst fruchtbarem Boden.
Hatten wir doch von MEHREREN Segelkollegen, unabhängig voneinander, gehört, dass St. Maarten KEIN Karibik-Juwel ist und aktuell zusätzlich Schwell + hohe Welle SEHR unangenehm in den Buchten steht.
Am nächsten Morgen legen wir von Barbuda ab. Aber nicht, um nach St. Maarten zu segeln. Nein! Wir segeln retour nach Antigua!
Plan B war schnell kreiert und ebenso schnell in Umsetzung begriffen!
(Sepp´s Flug für seine Dienstreise nach Las Vegas war bereits von St. Maarten aus gebucht – der Flug von Antigua nach St. Maarten hat sich flugs dazugesellt)
Und was hat dies nun mit den Behörden zu tun?
Wir hatten ja ausklariert. Waren offiziell nicht mehr im Land.
Also mussten wir – logischerweise – wieder einklarieren.
Da es auf Crabbs so freundlich + nett verlief, und Vitamine dann im Osten 1 Woche vor Anker liegen sollte, suchen wir wieder diese holde Stelle auf, um wieder anzuklopfen und offiziell um Erlaubnis zu bitten, hier sein zu dürfen.
Mein freudiges „Wir sind wieder hier!“ wird zunächst freudig erwidert.
Bis klar war, dass wir kein Ausklarierungsdokument einer anderen Insel vorzuweisen haben.
– Stille –
Das Sunnyboy-Lächeln friert für ein paar Minuten ein.
Doch …. oho ….. die Lösung ist schnell parat:
„Schwerwetter, technische Probleme, gesundheitliche Themen …… es gab keine andere Möglichkeit, als auf der Strecke zur anderen Insel, bevor die Fahrwasser betreten wurden, kehrtzumachen ….. „
Reaktion des willigen Seglers:
“ Ja! Genau! Genau so war es! Eh klar! „

Zolltechnisch war unser Wieder-Erscheinen somit geklärt.
Auch der Schneemann (der uns sicherlich ebenfalls wiedererkannt hat), hat kein Veto eingelegt.
Formulare werden ausgedruckt, Unterschriften getätigt.
Sunnyboy rückt seinen Gürtel zurecht und bedeutet mir, ihm zu folgen.
Ein paar Meter weiter. Zur Immigration. Ebenfalls hinter einer langen Glasscheibe.
Sunnyboy begibt sich in die Mitte der 2 Damen, lehnt sich lässig auf´s Pult, schäkert einmal in die eine Richtung, dann in die andere.
Die respekt-einflößende Immigration-Chefin dürfte im ähnlichen Dienst-Alter sein und in der sie umgebenden Aura trifft fachliche Kompetenz und Korrektheit auf Selbstbewußtsein – optisch unterstrichen von ihrer Würde und Strenge ausstrahlenden Haarpracht:
ihr steht jedes einzelne Haar in perfekter Zinnsoldaten-Manier im perfekten 90-Grad-Winkel in perfekter Länge von 2,3 mm zu Kopfe.
Sunnyboy beginnt mit sanfter Stimme, vorsichtig und geduldig, die Sachlage darzubringen.
Mit der Zeit scheinen die ohnehin bereits stramm stehenden Haare der Grande Dame der Immigration nochmals aufzusalutieren und sich nochmals um einen Millimeter zu strecken.
Die langen Haare ihrer Kollegin bleiben gelassen und anliegend. Die Kollegin ist auch deutlich jünger an Lebens- und somit sicherlich auch an Dienstjahren.
Sunnyboy gibt sein Bestes.
Er erklärt, steht Rede und Antwort, bringt Ideen ein …. und bleibt coooooool, auch als sich die Stimme seiner Kontrahentin ….. äh ….. gleichgestellten Kollegin, erhebt.
„Wie er sich das vorstelle?
Ein Boot, das keinen Nachweis vorlegen kann, von einem anderen Land zu kommen, soll einklariert werden? Ist es denn vom Himmel gefallen? Oder von den Tiefen des Meeres aufgestiegen? Oder wie? Oder was? Das ist ein Ding der Immigration-Unmöglichkeit!“
Sunnyboy muss sich eingestehen, dass sogar SEIN Charme dem landesinternen Dschungel der Vorgaben und Gesetze nicht die Stirn bieten kann.
Sunnyboy verlässt das gegnerische Feld und zieht sich in sein Heimat-Revier zurück.
Aber er hinterlässt Hoffnung:
Die Damen der Immigration werden mit der Hauptstelle, mit den schlauen Köpfen in der Zentrale, in Kontakt treten. Und diesen wird bestimmt eine gute Lösung einfallen.
Stunden später, um 15 Uhr, verläßt die Grande Dame erhobenen Hauptes ihre Wirkungsstätte Richtung Feierabend – ohne uns eines Blickes zu würdigen.
Ihre Langhaar-Kollegin hält die Stellung.
Wir warten geduldig. Die Sache wird sich klären. Wir wissen zwar nicht wie, aber die Lösung wird gefunden werden.
Nach -zig Telefonaten, internen Überlegungen, Warten auf einen Entscheidungsträger, warten auf den nächsten Entscheidungsträger, warten auf Antwort, ist es – ein paar Minuten vor Dienstende um 17 Uhr – soweit:
Die Lösung ist gefunden !!!!!!
Die Lösung ist so, wie sie einfacher nicht sein könnte !!!!!!
(Warum sind wir bloß nicht selbst darauf gekommen – so grübelt man im Nachhinein. *lol*)
Die Lösung ist „trommelwirbel„:
Wir haben gar nie ausklariert!
Somit ist das Thema „Einklarieren“ vom Tisch!
Wir sind ja bereits ordnungsgemäß hier!
Halleluja!
Die Ausklarierungspapiere werden zerrisen.
Die Einträge im Computersystem abgeändert.
!!! Der wiehernde Mittelteil – Vorhang zu !!!
–> Ente gut, alles gut!
Bye Bye Antigua!
Jetzt aber wirklich!
Unser nächster Stopp (in ca. 90 Meilen + 18 Stunden) ist St. Maarten!
(Wir kommen doch noch und wieder mal in die Niederlanden 😆)
Laut Vorhersage immer mit entspannten 10 – 15 Knoten Wind von achtern über die ganze Strecke.
Einer entspannten, friedlichen Nacht steht nichts im Wege …..


