Brasilien/Amazonas: Aug in Aug mit „Palmherzen“

Des Morgens gleitet Jaideson mit seiner Mutter Claudia und seiner Nichte Helena Nicolly im bunten Holz-Schnellboot heran.
Ui – wir werden abgeholt – unser Wasser-Taxi ist da!

Und schon sitzen wir auf der hinteren Sitzbank und düsen den Fluß Japiim Grande flußaufwärts – mit Gallionsfigur „Sonnenschirm in blitzblau“!

Diese Dinger sind aber auch schnell!
Der Yanmar ns 18 gibt ordentlich Speed!
Viel schneller, als unser Vitaminchen es mit ihrem Yamaha Malta mit seinen 2,5 PS je geschafft hätte!
Und so lässt es sich tragen, das Vitaminchen! Wie praktisch!

An einem Gebäude, mitten im saftigen Grün gelegen, einem typischen Pfahlbau, liegt gerade ein großes, weißes Arbeits-Boot, an diesem gehen wir längsseits.
Um an Land zu kommen, queren wir dessen Deck, auf dem viele Körbe, randvoll gefüllt mit den schwarzen Acai-Beeren stehen!
Da waren bereits viele fleißige Hände am Werk!
Und noch mehr leere Körbe sind zusammengeschlichtet, die auf ihren Ernte-Einsatz warten.

Das Gebäude direkt am Steg entpuppt sich als „Dschungel-Greißler“:
Seile, Lebensmittel, Besen, Werkzeug, Eier, Kleidung, Waschmittel, Getränkekisten ….
was halt so gebraucht wird! Hier wird man fündig!


Aber nicht nur das!
Neben dem Geschäft stehen noch einige Gebäude.
In diesen sind viele ordentlich verpackte Pakete ebenso ordentlich übereinander geschlichtet.
Hier werden Palmherzen verarbeitet, so hören wir – es ist eine Palmherzenfabrik!

Hm…. Palmherzen ….. diese langen, spargelähnlichen Stängel in den Gläsern haben doch nichts mit einem Herzen zu tun?
Wir können „Palmherzen“ gerade nicht zuordnen. Wohl wieder so eine „exotische Frucht“!?

Die streunenden Kids naschen jedenfalls Fastfood, auch wir bekommen einen Snack – wie lieb!
In den „Hinterhöfen“ ist der Boden mit Palmblättern „ausgelegt“.
Hier leben Leguane und Schweine und eine SAT-Schüssel sorgt für Verbindung mit dem Rest der Welt. In der Outdoor-Küche wird für das Mittagessen vorbereitet,


Hinter den Gebäuden wogt es grün!
Der Boden ist auch in der Plantage mit Palmblättern „ausgelegt“ – so gelangen wir trockenen Fußes mitten hinein in´s dichte Grün!
Es war uns wohl anzusehen, dass wir keine Ahnung von Palmherzen haben – jetzt wird uns geholfen und diese Bildungslücke tatkräftig geschlossen!

Ein Neffe von Claudia (ja – es ist ein Besuch bei Verwandten ;-)) geht uns voran – sein Arbeitswerkzeug, eine Machete, in der Hand.
Er beäugt fachmännisch einige Palm-Stämme und bleibt schließlich bei einem stehen.
Gekonnt schwingt er seine Machete, bis der Stamm zu schwanken beginnt, seine senkrechte Position aufgibt und uns zu Füßen fällt.
Wow. Für uns wurde ein Baum gefällt!

Der Meister der Machete bearbeitet nun die glatte grüne Fortsetzung des Stammes, direkt unter der „Krone“.
Die Machete und kleine Holzteile fliegen durch die Luft. Kurze Zeit später ist das Innere dieses glatten grünen Palmen-Teiles rein + weiß herausgeschält.
Und davon wiederum nur das Innerste wird weiterverarbeitet – das PalmHERZ eben!
Sehr interessant … sehr anschaulich …. wow!


Ein frisch konserviertes und bereits für die Auslieferung gerichtetes Glas wird für uns geöffnet. Mhm… frisch als auch konserviert sehr lecker!
Wir hätten gerne ein paar Gläser gekauft – aber – hier wird nach Auftrag gearbeitet – alle Gläser sind bereits vergeben!

Palmherzen werden aus verschiedenen Palmen gewonnen – z.B. aus der Acai-Palme – (so eine wurde auch für uns gefällt).
Das „Nebenprodukt“ sind die Acai-Beeren.
Wenn eine Acai-Palme nicht gefällt wird, sondern „nur“ deren Früchte geerntet werden sollen – was dann?

Dann kommt entweder eine lange Stange zum Einsatz, an deren Ende ein Schneide- und Fixationsmechanismus montiert ist ….


….. und wenn die Palme zu hoch ist, sodass die Stange zu kurz ist?

DANN sind Kletter-Fähigkeiten gefragt!

Einzige Hilfe dafür: eine robuste Schlinge, die um die Mittelfüße gelegt wird.


Hier wachsen Jungs mit dieser Art Sport auf.
Unglaublich schnell ist der Palmenwipfel in luftiger Höhe erreicht – und ebenso leichtfüßig und behende – mit einem gekonnten Sprung zur nächsten Palme als Zwischeneinlage – hat der Kletter-Künstler auch wieder festen Boden unter seinen Füßen erreicht!
Tarzan lässt grüßen! Und das ganz ohne Liane!


Schaut doch im Grunde sehr einfach aus …..
(gilt wohl für vieles, was ein Geübter halt „einfach so“ mal macht ;-)) …
Wie würde es wohl uns dabei ergehen?

Auch hier wird uns geholfen – wir dürfen er herausfinden.
Für uns wird es möglichst leicht gemacht – und ein Stamm gesucht, dessen Krone sich nur knapp 3 Meter über unseren Köpfen ausbreitet. Na dann – ran an den Stamm!

Mein Körper fragt sich, welche unorthodoxe, eigenartige und seltsame Bewegung ihm da abverlangt wird – und verweigert.
Bei Sepp hab ich mir ja IMMER SCHON gedacht, es steckt – neben seinen unzähligen anderen Talenten – auch ein kleines Äffchen in ihm …. oder ein großer Gorilla …. oder so …. *lol*


Die Jungs (Jaideson + sein Cousin) sind neugierig.
Ihre Holz-Schnellboote kennen sie ja – aber wie es sich wohl mit so einem vergleichsweise unförmigen und plumpen „Luft-Boot“ fährt?

Auf dem Weg flussaufwärts beobachten uns die scheuen Urubus! ( = Rabengeier)
Als Aasfresser sind sie ein wesentlicher Bestandteil des lokalen Abfall-Beseitigungs-Systems!


Vitaminchen gibt ihr Bestes …. hat aber halt doch an der Last von 4 Erwachsenen schwer zu tragen! Wir gleiten äußerst gemächlich dahin – keine Chance, in´s Gleiten zu kommen!

Die Jungs schauen sich an und schmunzeln ….
und entdecken die im Boot verstauten Paddel.
Flugs sind sie zusammengesteckt und schon helfen 4 kräftige Arme mit – das ist schließlich einfach keine Wohlfühl-Geschwindigkeit für die Jungspunde!