Brasilien/Amazonas/Japiim Grande: erstmalig an Land

Wir sind mitten im „Garten“ von Claudia´s großer Familie – direkt hinter dem direkt am Fluss auf Stelzen stehendem Haus – einem Pfahlbau.

Dort, wo ein schmaler Steg aus Holzbrettern den einzig begehbaren Weg vorgibt und wo verschiedenste Palmäste in diesen kokett hineinwachsen.
Dort, wo Wäscheleine auf Outdoor-Küche trifft.
Dort, wo Kakaofrüchte, Acai, Kokosnüsse, Bananen, Limao Asedos, Annattos und noch viel mehr nur eine Armlänge entfernt wachsen.
Dort, wo ausgewachsene Schweine, Ferkel und ein Junghund den feuchten Boden unter uns bevölkern ….
…. zumindest bei Ebbe. Bei Flut ist dieser Teil des Schweinebereichs ein Teil des Flusses und wogt in grau-braun-grün.


In der Outdoor-Küche auf Stelzen mit Wellblech-Dach wird z.B. Maniokwurzel (auch Kassava oder Yuka genannt) zu Mehl verarbeitet und vielseitig weiterverarbeitet.
Und aus den frisch geernteten Acai-Beeren der Acai-Palmen wird dunkel-dickflüssiger Acai-Saft gewonnen.
Geschmacksrichtung? Speziell! Komplex! Interessant!
Nicht vergleichbar mit irgendetwas, das je unsere Geschmacksknospen berührt hat.


Auch eine Kakaobohne wird extra für uns geerntet, geöffnet und zur Verkostung freigegeben. Erstmalig für uns, dass wir das weiße Fruchtfleisch, den „Kakaoschleim“, auf der Zunge spüren …. ein angenehmer, leicht süßlicher Geschmack!
Zur Kakaogewinnung verwendet werden nur die in´s Fruchtfleisch eingebetteten Kakaobohnen – schade drum!


Und dann ist da noch eine gefährlich aussehende kleine Frucht (wie eine von Natur aus gut bewaffnete Pfeilspitze – das Tränken in Gift wäre nicht mehr notwendig).
Der Name dieser Frucht klingt im deutschen harmlos – und ist auch hinweisgebend:
Es ist die Frucht des Lippenstift-Baumes!
(Auch Annatto bzw. Orleansstrauch genannt, auf gut portugiesisch „Uruku“)

Uruku wird als Gewürz verwendet – die Samen sind leicht pfeffrig-erdig-bitter im Geschmack. Aber diese kleinen Samen haben noch mehr zu bieten!
Sie färben Lebensmittel, Textilien, Haare, Haut und Lippen intensiv rot, (bei höheren Temperaturen intensiv gelb)! (Lebensmittelfarbe E 160b)



Die ganze große Familie ist sehr interessiert an uns – von klein bis groß.
Wie schön – dieses Interesse beruht ganz auf Gegenseitigkeit! *blink*

Wir erfahren auch warum:
Wir sind das allererste ausländische Segelboot, das hier hereinkommt, hier herein in „ihren“ Japiim Grande!

Na bum. Was für eine Überraschung … wir staunen …. sind verblüfft und verwundert … und fühlen uns ein bißchen wie Christoph Columbus …. das es solche Gegenden auf dieser unserer schönen Erde überhaupt noch gibt ?!
Und das WIR das große Glück haben, sie „entdecken“ zu dürfen ?!

Na dann …..
dann ist es auch nicht verwunderlich, dass das erste Beschnuppern im Wohnzimmer sehr vorsichtig, zurückhaltend und skeptisch ausgefallen ist.
Wir müssen ihnen wie Aliens vorgekommen sein!
Aliens aus „Austria“ – das ist gleichbedeutend mit „unvorstellbar weit weg“!

Und ja – wir SIND hier Aliens.
Wir kommen tatsächlich von einem anderen Planeten, aus einer anderen Welt.
Aus einer Welt, in der es Straßen gibt und alle möglichen Fortbewegungsmittel an Land!
Aus einer Welt, in der man tagelang trockenen Fußes durch Wälder und Wiesen streifen kann.
Aus einer Welt ohne Stelzenhäuser, ohne „exotischer Früchte“ und ohne lebender Küchenabfallverarbeitung direkt unter der Abwasch.

Das Eis ist schnell gebrochen.
Unserer aller Gemüter tauen schnell auf.
(Kein Wunder bei den aktuellen Temperaturen – um die 40 Grad! *lol*)

Genauso vorsichtig, wie der Empfang war, genauso uneingeschränkt „angekommen“ und herzlich „aufgenommen“ fühlen wir uns bereits jetzt, nach nur wenigen Minuten!

Im Haus spannt sich eine Hängematte durch das Esszimmer, im Wohnzimmer sind mehrere davon griffbereit an der Wand montiert.
Ein heimeliges Wohlfühl-Gefühl schwingt durch die Räume.
Die Farbe Rot ist in allen Räumen sehr präsent.
Auf die Frage, warum, welche Bedeutung die Farbe „Rot“ denn bei ihnen hat, meint Jonison mit einem verschmitzt-verlegenem Lächeln:

„Mama liebt rot!


Vor dem Haus ragt eine große, kahle Betonfläche über den Fluss. Natürlich auf Stelzen.
Und sie fungiert natürlich auch als Anlegesteg für Boote.

Ein schmaler Steg aus Holzbrettern, grad so einer wie hinter dem Haus, verläuft parallel zum Fluss und bildet den Verbindungsweg zu den Nachbarhäusern.
Als plötzlich ein Brett unter mir nachgibt, findet sich mein rechter Fuß genauso plötzlich eine Etage tiefer wieder! *autsch*
Lerneffekt: Immer das Gewicht auf mehrere Bretter verteilen *groing*

Außer Hautabschürfungen nix gewesen! Gott sei Dank!
Claudia hat sofort eine entsprechende Salbe parat und trägt sie auf die malträtierte Haut auf – Muito obrigada, querida Claudia!

„Google Translate“ wird hier
– in Ermangelung von Portugiesisch-Kenntnissen einerseits und Englischkenntnissen andererseits –
unser treuer Begleiter.
Und die App funktioniert – für die entsprechende Sprache heruntergeladen –
tatsächlich grandios – und das auch offline.

Die Fragen schwirren durch den Raum – so auch diese:

Wie lautet hier bei Euch wohl das Geheimnis für „zufrieden + glücklich“?

„…. weil wir uns so gut verstehen und so gerne Zeit miteinander verbringen …. „


Was für angenehme und interessante Stunden, lehrreich auf vielen Ebenen!
Was für ein zauberhaftes Kennenlernen!

Da draußen schaukelt VITAMINE – auf ihr werden wir diese unzähligen Eindrücke heute Abend müde und dankbar Revue passieren lassen!