Anker hoch!
Wir lassen den singenden Sand hinter uns und segeln weiter hinein in den Rio Pará!
Unsere heutige Tagesetappe soll uns in den Rio „Japiim Grande“ bringen!

Kaum auf dem Weg schaffen wir es doch noch – das laute Schnauben von gestern noch im Ohr – einen dieser scheuen, unauffälligen, unaufdringlichen Gesellen auch auf Foto zu bekommen – zumindest die Rückenflosse.
Ein Jungtier der berühmten „rosoraten Flußdelfine“!
Was für eine Freude!
Der „rosarote Flussdelfin“ (auf portugiesich „Boto“) lebt im Amazonas (von Peru bis Brasilien) und im Orinoko-Becken (Venezuela/Kolumbien).
Sie meiden nicht nur Menschenkontakt sondern auch Strömungen und sind daher eher in sumpfigen Uferregionen und unzugänglichen Gebieten anzutreffen.
Oder eben auch nicht – ein Leben im Verborgenen.
Jungtiere sind silbergrau, ältere Botos tendieren zu rosa.
Es wird vermutet, dass der Gehalt an Melanin mit dem Alter abnimmt und sie sich dadurch Richtung Albinos entwickeln.
Weitere Erklärungen, die im Netz kursieren, erscheinen mir so unlogisch, dass sie hier erwähnt seien, aber mit grooooooßem Fragezeichen versehen:
? „…. ihre Haut wird dünner und das Blut in den Adern scheint durch … “ ?
Es gibt noch eine Steigerungsstufe der Unlogik, nämlich:
? „…. männliche Delfine werden oft stärker rosa als weibliche, da sie aufgrund von Kämpfen mehr Narben auf der Haut haben …. “ ?
Warum auch immer – sie sind rund um uns – die „rosaroten Flussdelfine“ –
in grau als auch in rosa!

Während der Käpt´n im Boat-Office sitzt, zieht die Genua VITAMINE Hart-am-Wind (dank der um die 20 Knoten Wind) über die grau-grünen Wassermassen.
Der Himmel glänzt in strahlend-blau, verziert mit weißen Wattebäuschen.
Wir düsen dahin – mit gut 8 Knoten SOG (Speed Over Ground!).
Das sind 3 Knoten über ihrer Durchschnittsgeschwindigkeit!
Okay – wir geben´s ja zu ….
…. die hineinströmende Flut hilft ordentlich und trägt uns mit hinein!
(Am Höhepunkt mit 4,2 Knoten!)
Noch immer hat der Fluss eine beachtliche Breite!





Wir folgen dem Fluß Pará, lassen die mächtige Mündung des Rio Tocantins links liegen, folgen kurz dem Rio Pará weiter und biegen schließlich backbord in einen „kleinen“ Nebenfluß ein – in den Rio Japiim Grande!

Warum hat es uns genau dieser Seitenarm angetan?
Warum nicht irgendein anderer der unzähligen Nebenflüsse?
Noch dazu, wo es doch so beschrieben ist, dass die Einfahrt nur bei Flut für uns befahrbar ist!
(„0 – 5 m* – UUUUps!)
Weil Silvio bereits mit Segelboot im Japiim Grande war UND dort eine Familie kennt!
Silvio ist ein Brasilianer, der die Welt mit seinem Segelboot bereist hat und der es sich jetzt, in „Segler-Rente“, zum Ziel gesetzt hat, Brasilien für uns ausländische Segler attraktiv zu machen!
Er ist aktiv in der Organisation der „BRally Amazonas“ (eines Zusammenfindens von Seglern, die den Amazonas ersegeln wollen) und er ist einer der Admins in den brasilianischen What´sApp-Gruppen.
Wir bekommen viele große und kleine Insider-Tipps von ihm – so auch diese:
„Ihr müsst unbedingt nach Japiim Grande!“
„Ihr könnt mit einer Ribeirinho-Familie Kontakt aufnehmen!“
„Ich gebe Euch die Nummer von Claudia…. “
Voilá! Bzw. ENTÃO! (auf gut portugiesisch)
….. und schon sind wir da!




Einer unserer ersten Anblicke im Japiim Grande ist auch auf der Karte zu finden:
Die Kirche
Assembleia de Deus.
Templo Central.

Wir gehen so weit wie möglich hinein – um die erste Biegung herum – und werfen den Anker.
Und schon bekommen wir Besuch:
einer der Söhne von Claudia, Jonison, kommt mit seinem Holzboot vorbei und lädt uns ein, zu ihnen zu kommen.
Wie lieb ist das denn!




Wir warten noch die Tageshitze ab und es wird noch schnell eine nette Begrüßung auf portugiesisch einstudiert:
„Freut mich, Sie kennenzulernen!“

