Brasilien/Amazonas: Singendes „Ponta de Pedras“

Nein – nicht in der Touristenmetropole „Ponta de Pedras“- sondern südwestlich davon in einer Bucht mit Sandstrand. Und Schafen. Und einigen weißen Gebäuden mit rotem Dach.
Und sonst nix.
Ach ja – fast vergessen: Untiefen, die nur bei Ebbe zu sehen sind.
Sicherheitsabstand einhalten!

Unsere Tagesetappe hat uns wiederum ca. 25 Meilen weiter in den Fluß „Pará“ hineingebracht. Dem Südufer der Insel Marajó folgend, die „Baja de Marajó“ durchquerend.

Die Hauptstadt des Bundesstaates Pará, die 1,4 Millionen-Seelen-Stadt Belém (auf Deutsch „Bethlehem“), liegt bereits hinter uns. Wir haben ihr von weitem zugewunken.
(Fast 60 % der Bewohner leben in sogenannten „Baixadas“. In oft tiefer liegenden Randgebieten, die von Überschwemmungen und mangelnder Infrastruktur gezeichnet sind.)

Das Land rund um uns in unserer idyllischen Bucht versprüht Charme!
Den Charme von verstreuten großen, weit ausladenden Mango-Bäumen, von 4-Beinern, von Sandstrand und hell leuchtenden Häusern.
Wir machen unser blaues Vitaminchen startklar und legen am gut in Schuß gehaltenen, tidensicheren Holzsteg mit Anlegeplattform an.

Flugs sind wir an Land …. und flugs wird uns höflich gesagt, dass dies hier, die „Vila Malato“, Privatbesitz ist.
Ich lasse traurig-sehnsüchtig ein bißchen den Blick schweifen …
da kommt er auch schon, der Nachsatz:
„Aber umsehen dürft Ihr Euch schon.“
Typisch brasilianisch-freundlich-vorsichtig. Wie entzückend!
Wir bedanken uns auch ganz lieb dafür: „Muito obrigado!“

Das Gelände ist weitläufig! Wir wandeln zwischen Pferde- und Schafkoppeln, am von Hunden gut bewachten Gebäude für die Landarbeiter vorbei und genießen das so überraschende ländliche Flair!

Wie zauberhaft – die berühmten rosaroten Fluß-Delfine des Amazonas – einer der Mythen des Amazonas-Gebietes – hören wir hier erstmalig schnauben und sehen sie auch erstmalig aus dem Wasser auftauchen.
Oh Freude!
Sie sind scheu und vorsichtig. Die Neugierde und Kontaktfreudigkeit ihrer Kollegen auf den offenen Meeren fehlt ihnen vollkommen. Zu kurz war deren für unser Auge sichtbare Präsenz – sie waren nicht für ein Foto-Shooting bereit.
Aber gehört haben wir sie oft!
Bis jetzt können wir berichten:
Das Geräusch, dass sie beim Ausstoßen des Blases erzeugen, das klingt wie das (laute) Schnauben eines Pferdes.

Eine zauberhafte Überraschung hält auch der Strand für uns parat!
Von ihm gelesen und von Erzählungen gekannt haben wir ihn schon, den „Singenden Sand“, („singing sand“). Wir hatten noch nie persönlich das Vergnügen, auf ihm zu wandeln.
Hier haben wir die Freude, ihn erstmalig selbst erleben zu dürfen, ihn selbst „bespielen“ zu dürfen, ihm selbst Töne zu entlocken:


Die Geräusche entstehen durch Reibung der Sandkörner aneinander.
ABER nur dann, wenn eine perfekte Kombination aus runden (!) Sandkörnern, dem passenden Quarzgehalt, der richtigen Luftfeuchtigkeit und einer entsprechenden Menge an Sand zusammenkommen.
NUR dann kommt es zu einer „Symphonie der Natur“!
Na bum.

Mit ein paar Mangos in der Hand, gefühligen Bildern im Kopf und einem neuen „Ohrwurm“ paddeln wir in der Farbenpracht eines ebenfalls zauberhaften Sonnenuntergangs zurück zu unserem schwimmenden Zuhause ….


Anekdote am Rande:

Als unser Anker des nächtens einmal den Halt verliert und Vitamine slippt, starten wir ein erneutes Ankermanöver. Mit entsprechendem Ankergerassel und Motorengeräusch.
Sofort taucht an Land das Licht einer Taschenlampe auf.
–> Hier wird aufgepasst! Die 2 Mannen, die wir kennengelernt haben, versehen pflichtbewußt ihren Dienst!

(Am nächsten Morgen bringe ich Ihnen noch Ektoparasitikas für Hunde – mindestens einer von den 4-beinigen Aufpassern im Nebengebäude hat dringenden Bedarf daran.)