Europa/Nordsee: Gewitter liegt in der Luft !

Die Eider hat uns ausgespuckt und die Nordsee empfängt uns mit einem Feuerwerk!

Thor, der hiesige Wettergott, hat doch tatsächlich weder Kosten noch Mühen gescheut, um uns ein wunderbares Spektakel zu bieten – was für ein Empfang!

Noch ca. 4 Stunden bis nach Helgoland. Aktuell bei fast 30kn Wind.


Ja was sagen wir denn dazu……?
Erstmal räumen wir flux die Segel weg – und dann sagen wir mal nix – wir schauen fasziniert …..
Immer wieder auch ein Kontrollblick auf den Plotter im Niedergang – dieser spricht:
„Besser mittendrin als nur dabei!“

„JOOO….es stürmt 🌧️🌬️ und blitzt🌪️⚡ und donnert…
Es is sooooo GEIL!!!! „


Ja – „Schwerwetter“ übt tatsächlich eine große Faszination auf uns aus!
Die „entfesselten“ Elemente zu sehen und zu spüren….
die Veränderungen in der Luft und am Himmel zu beobachten ….
das Prasseln des Regens und der Gischt auf die Scheiben …..
Vitamine, die durch diese aufgewühlte See unbeeindruckt luftig-locker-elegant hindurchgleitet …..
der Horizont, der ganz nah rundherum zu einem kommt und die Welt klein werden lässt ….
der Himmel, der plötzlich käseglockenähnlich über einem hängt …..
–> magische Momente!

Um dieses Gefühl der Freude und Begeisterung aufkommen zu lassen ist es ganz bestimmt sehr förderlich, dass wir noch NIE in einem richtig schweren „Schwerwetter“ waren.
Das noch NIE um unser Boot oder gar um uns selbst Angst in uns aufgekommen ist.

Und speziell in dieser Situation wussten wir, dass jetzt und hier das größte Ausmaß erreicht ist – ein für uns leicht bewerkstelligbares Ausmaß.
Somit hat auch kein Gedanke an „Was ist wenn …..“ unserer Begeisterung Abbruch getan.

Wobei …. einen Schreckmoment gab es DOCH!
Diesem Streich, den uns die Elemente gespielt haben, sind wir voll auf den Leim gegangen:

Wir sind schon etliche Meilen vom Festland entfernt – auch das Wattenmeer liegt bereits weit hinter uns. Das Gewitter spielt bereits in weiterem Abstand als noch vor ein paar Minuten ramba-zamba.
Rund um uns ist nichts und niemand. Wir sind alleine!
Auch der routinemässige Blick auf den Plotter bestätigt dies.

Plötzlich:
Durch den Nebel taucht ein zuerst diffus-verstreutes, doch bald großes, rundes, gleißendes Licht schräg steuerbord auf!
Beängstigend nah!
Und beängstigend weit erhellt es das dichte Grau, das uns das Gewitter noch hinterlassen hat.

*oh Schreck*
!!! ALARM !!!

An so einem großen Lichtkegel MUSS ein entsprechend großes Teil dranhängen!
Ein Arbeits-Koloss, einer dieser großen Frachter, vor denen so eine vergleichsweise kleine Nuss-Schale, wie wir es sind, immer bemüht ist, einen entsprechenden Respektabstand zu halten !?
Ein Militär-Koloss? Einer von denen, die nicht gesehen werden wollen und die vielleicht uns übersehen haben?

Wir fallen reflexmässig nach backbord ab und kontrollieren den Plotter – verheimlicht er uns etwas?
Unsere Augen versuchen, den Nebel zu durchdringen, um Klarheit zu bekommen, die Gedanken rattern … das Kopfkino läuft !

Genau so plötzlich, wie „ES“ aufgetaucht ist, wird uns klar:
„ES“ ist der tiefstehende Sonnenball, der uns dezent, durch Nebel und Regenschleier hindurch, für heute „Servus“ sagt!
(Fotos? Keine! Da hat wiedermal die Film-Crew an Bord gefehlt … )

Auf wieviel verschiedenen Ebenen aber auch man so als Segler seine Erfahrungen macht und dazulernt!
Ein paar Minuten später hat es soweit aufgeklart, dass ein Streifen Abendröte am Horizont lächelt – und wir können lachend von uns geben:
Was für ein schöner Sonnenuntergang aber auch!